- Historie -
© 2003-2004 by Stadtkreisfeuerwehrverband Bad Homburg - Impressum - Haftungsausschluss

Die Pflicht, sich bei einem Brande zur Verfügung zu halten, galt früher grundsätzlich für alle Einwohner Ober-Erlenbachs, vor allem natürlich für die männlichen, denen die dabei anfallenden Aufgaben körperlich zuzumuten waren. Wenn ein Feuer in der Gemeinde ausbrach, hatten sie sich umgehend am Brandherd einzufinden und sich an den Löscharbeiten zu beteiligen. In den häufig notwendigen Eimerketten zur Weitergabe des Löschwassers reihten sich selbstverständlich auch die Frauen ein; denn erstens konnte jeden das Schicksal treffen, dass das eigene Haus brannte, und zum anderen war bei der engen und auf Holz basierenden Bauweise im Ortskern indirekt auch dieses bedroht.

Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Feuerwehr in Ober-Erlenbach organisiert, Zugehörigkeit und Aufgaben wurden genausten festgeschrieben. Das erste Personalverzeichnis im früheren Gemeinde-archiv ist aus dem Jahre 1840; darin stehen die „Personen, welche bestimmt sind ... das Wasser herzuleiten und zu stemmen u. dgl. ..., das Wasserschöpfen zu veranlassen und zu beaufsichtigen“. Letzteres dürfte wohl vor allem aus dem Erlenbach entnommen worden sein, da er für die meisten damaligen Häuser mit Eimerketten oder später auch mit Schläuchen erreichbar war. Im Jahre 1875 waren im Feuerwehr-verzeichnis etwa 90 Männer erfasst. Im Jahre 1900 gab es etwa 50 Leute mit fest umrissenen Aufgaben, viele andere waren als Hilfskräfte eingeteilt. Die Liste enthält Anfang des Jahrhunderts insgesamt etwa 250 Namen, und das sind wohl alle tauglichen Männer zwischen 19 und 44 Jahren gewesen. Es gab 15 Steiger, d.h. solche Männer, die bren-nende Häuser erklettern mussten, zur damaligen Zeit eine äußerst gefährliche Aufgabe, wenn man sich klarmacht dass außer Holzleitern keinerlei technisches Gerät dafür zur Verfügung stand. Die Wehr besaß um diese Zeit drei Spritzen, die natürlich noch mit Muskelkraft be-trieben wurden, so dass zu jedem Gerät wegen der notwendigen Ablösungen drei Bedienungsmannschaften mit etwa jeweils 15 Mann gehörten. Dazu gab es zwei Mannschaften der Wasserreicher mit je-weils 33 Mann; denn auch hier musste man sich wegen des notwen-digen Krafteinsatzes immer wieder ablösen. Dazu kam eine Ordnungs-mannschaft mit fast 50 Leuten, die einerseits den Aufbau und die Arbeit der Eimerketten zu kontrollieren hatte, gleichzeitig aber wohl auch dafür zuständig war, Neugierige, vor allem Kinder, auf Distanz zu halten.

Es gab im Ort mehrere Feuermeldestellen, die mit Schildern gekenn-zeichnet waren. Die dort wohnenden "Signallisten" mussten nach der Kreis- Feuerlöschordnung von 1890, "sobald sie von einem solchen Brandausbruch Kenntnis erhalten, sofort alarmieren. Außerdem hat der Bürgermeister in diesem Fall zu veranlassen, dass Sturm geläutet wird", eine Maßnahme, die vor allem tagsüber von Bedeutung war, da sich dann viele Bewohner auf den Feldern befinden konnten. Die Feuerwehr von Ober- Erlenbach musste auch ausrücken, wenn es in den umliegenden Ortschaften brannte. Der Ort gehörte zu einem Verbund mit Holzhausen, Nieder-Erlenbach, Ober-Eschbach, Nieder-Eschbach, Petterweil und Seulberg, ein Zusammenschluss, dessen Wurzeln vermutlich in dem früher hier existierenden Märkergeding zu suchen sind. Es gab fest eingeteilte Leute, die die Nachricht von einem Brand in diese Ortschaften zu überbringen hatten, Die Kreis-Feuerlösch-ordnung enthielt dazu folgende Weisung: ,,Die Feuerboten bzw. Feuerreiter haben den nächsten gangbaren Weg zu ihrem Ziel einzuschlagen und sich nach Möglichkeit zu beeilen", eine Aufforderung, die sich eigentlich von selbst versteht, aber auch die Umsicht und Gründlichkeit der damaligen Behörden zeigt.

1932 wurde die Feuerwehrpflicht für alle männlichen Dorfbewohner eingeführt, aber schon wenige Jahre später auf 150 Männer vor allem der jüngeren Jahrgänge reduziert; denn inzwischen war die Bevölkerungszahl wohl so gestiegen, dass die Löschverpflichteten sich vermutlich gegenseitig im Wege standen, neben der Tatsache, dass auch die Ausrüstung aller Wehrleute viel Geld kostete. 1943 wurde eine Motorspritze für die Feuerwehr angeschafft. Dies war behördlicherseits veranlasst worden und dürfte damit zusammenhängen, dass sie während des Krieges auch den Kern des örtlichen Luftschutzes zu stellen hatte.

In den Nachkriegsjahren wurde in Ober-Erlenbach wieder eine Pflicht-feuerwehr aufgebaut, zu der im Jahre 1949 die Freiwillige Feuerwehr kam, die anfangs 28 Mitglieder hatte. Sie erhielt eine neue Motor-spritze, die in den ersten Jahren noch mit der Hand durch die Straßen gezogen werden mußte, nach und nach wurde aber der Bestand an Fahrzeugen und Gerätschaften erweitert und ist heute auf dem modernsten Stand. Die Feuerwehr leistet auch einen wesentlichen Beitrag zur Kommunikation im Ort und zum Vereinsleben. Sie organisiert unter anderem Weihnachtsfeiern und Ausflüge, an denen nicht nur die Mitglieder teilnehmen. Ein Höhepunkt ist jedes Jahr die Bewirtung der Bevölkerung am Himmelfahrtstag. Inzwischen gehört zur ihr ein Musikzug, und eine Jugendfeuerwehr. Insgesamt liegt die Mitgliederzahl zur Zeit etwa bei 400 Personen. Im Jahre 2000 konnte das fünfzigjährige Jubiläum gefeiert werden. Das Feuerwehrgerätehaus aus den zwanziger Jahren genügte den modernen technischen Ansprüchen bald nicht mehr. In den Jahren 1965 und 1979/80 wurde es in umfangreichen Selbsthilfeleistungen zweimal an- und umgebaut, überflüssige Räumlichkeiten wurden umgewidmet. Dazu gehörte vor allem die Arrestzelle mit dem Wachlokal, an die sich manche Einwohner unseres Dorfes bestimmt noch erinnern werden. Dies natürlich nicht, weil sie dort eingesessen hätten, sondern weil man durch das Fenster hineinschauen und mit dem dort befindlichen Arrestanten Schabernack treiben konnte!

Die Pflichtfeuerwehr bestand noch einige Jahre weiter und wurde sehr resolut von den Behörden kontrolliert. Die Ausnahmen von der Dienstpflicht waren genau geregelt und betrafen Ärzte, Tierärzte, Apotheker, ferner gewisse Gruppen von Eisenbahnbediensteten. Wer unentschuldigt einer Übung fernblieb, machte sich strafbar und wurde angezeigt. Im Gemeindearchiv finden sich noch aus den fünfziger Jahren Duplikate von Schreiben der Frankfurter Amtsanwaltschaft, mit denen Ober- Erlenbacher Bürger verwarnt und auf die Folgen weiterer Versäumnisse aufmerksam gemacht wurden; Maßnahmen, die bei einer Freiwilligen Feuerwehr selbstverständlich entfallen können.

Erfreulicherweise finden sich im Archiv keine Hinweise auf größere Brandkatastrophen, und auch ältere Zeitungen sind frei von solchen Berichten. Brände scheinen eher Einzelhäuser betroffen zu haben oder sind von der Feuerwehr auf diese beschränkt worden. Dies spricht deutlich für die Qualität der Ober-Erlenbacher Wehr, die natürlich auch daraus resultierte, dass der Bach am alten Ortskern vorbeifließt und sie daher im Vergleich zu manchen anderen Gemeinden keine Wasserprobleme hatte.

© 1996 by Joachim Ziegler, Bezugsquelle

Die Freiwillige Feuerwehr Bad Homburg Ober-Erlenbach wurde am 16.07.1949 gegründet.
Feuerwehrhaus 1950
Feuerwehrhaus 1970
Feuerwehrhaus 1990
Wehrführer
1949-2008
Heinrich Knaab
1949-1957
Friedrich Cloos
1957-1974
Walter Breitfelder
1974-1986
Peter
Güttrich
1986-1993
Volker
Lindemann
1993-1997
Uli
Weigel
1997 - 2013
Marco
Schieler
2013 -